In nomine domine amen.
Da gibt es die LARPs, bei denen es unerschrocken (mit leicht drohendem Unterton) von der Spielleitung heißt: "Bei uns kriegt jeder seinen Plot...!"
Dann gibt es die LARPs, bei denen man rasch und aktiv in den Plot verwickelt wird, da dieser sich offensichtlich entfaltet und jeden, der möchte, in seinen Bann zieht.
Bei manchen LARPs muß man den Plot suchen.
Und es gibt LARPs, bei denen einem nach etwa 1h klar ist: "Vielleicht gibt es einen Plot..." - doch der ist längst woanders.
Noch eine letzte Kategorie gäbe es, besser unerwähnt, bei dem alles Suchen nach dem Plot bestenfalls zu Tage bringt, daß es eigentlich keinen... nunja.
Mit MA-Märkten ist es nicht unbedingt anders.
Viele Märkte sind da allerdings unergiebig - es ist ein striktes Getrenntsein von kommerziellen Händlern, professionellen Musikern und dem Rest des angeheurten Marktvolkes.
Mancher Markt wirkt gar wie ein Campingplatz für Mittelalterfreaks: Jeder sitzt so in seine eigene Beschäftigung vertieft vor seinem Lager, alles puzzelt nebeneinander her - Interaktion kommt gar nicht erst auf.
Bei einigen Märkten ergibt sich hingegen im Laufe des Samstags eine kleine Geschichte. Gelegentlich wird diese vom Veranstalter initiiert, ich sag' mal typischerweise "Hexenverbrennung", Gerichtsverhandlung, Pestausbruch, Turnierintrigen o.ä.
Doch kann sich solch eine kleine "Marktgeschichte" auch von selbst ergeben, gerne entzündet sich dies mit dem Aufeinandertreffen von Rittern und Wikingern, Kreuzzüglern und Sarazenen oder der spezifischen Geschichte des Marktortes selber (bei den Slawen, am Hof eines Stauferfreundes etc.)
Da wollte ich nun einmal wissen (insbesondere mit dem geplanten Zevener Markt im Kopf), wie halten es die Liberi Effera damit?
Habt Ihr da bereits erlebte Vorbilder? Gibt es eine Art "Code of Conduct"?
Finden Eure Märkte als imaginärer Schauplatz von Nordort statt?
Gibt es ein Markthoheit (z.B. durch eines der Häuser - als, wenn man so will, Stifter)?
Oder ist eine solche Veranstaltung für Euch wie ein Treffpunkt "zwischen den Welten", an dem Kulturen, Reisende, Darsteller und Marktbesucher aufeinandertreffen?
Oder ist ein Markt für Euch eine kommerzielle Veranstaltung, bei der das Erleben der Besucher im Vordergrund steht?
Gut: Viel geschrieben - nich klar geworden, versuch' ich es mit einem Beispiel:
Ein Wikinger spuckt über meinen Lagerzaun und ruft: "Möge Loki euch dreckige Christenhunde holen!"
a) Ich bin in Nordort: Ich bleibe cool, weiß, daß seine Religion eine von vielen ist so wie meine und der Junge nur den Dicken markiert. Wenn ich richtig beleidigt bin und der Kerl vielleicht gerade noch seine Freunde gegen mich zusammenrottet, versuche ich Schutz durch einen Nordorter Adeligen zu erlangen oder durch eines der großen Häuser.
b) Es ist Mittelalter, das Jahr 1210: Ich reiße mein Schwert aus der Scheide, rufe alle Nachbarn, die rechten Sinnes sind zur Hilfe und versuche, den Heiden vor ein Kirchengericht zu zerren, wenigstens ihn aber bei Marktvogt wegen Gotteslästerung anzuklagen.
c) Zwischen den Welten: Sein Wort (und seine mögliche Stärke) zählen so viel als meine. Ich versuche zu beschwichtigen, klar zu machen, daß wir alle zu einem friedlichen Markt zusammengekommen sind und biete ihm möglicherweise einen Zweikampf an, um "der Ehre halber" und für den Tag zu klären, wer heute Recht behält.
d) Wir sind im 21. Jahrhundert: Ich sage: "Ey, Kumpel, wie meinst Du denn das? Beleidigung ist 'ne Rechtswidrigkeit!" Dann versuche ich ihm über die Marktorga einen Platzverweis zukommen zu lassen.
Die spannendsten Märkte waren für immer die, bei denen sich kleine Plots ergaben - und bei denen man am Ende mit allen Beteiligten anstoßen konnte. Klar, manchmal ist das einfach nicht möglich, es kommt keine Stimmung auf etc.
Auf Eure Antworten jedenfalls bin ich gespannt!